Lake District!

Ein englischer Mythos seit der Poet Thomas Grey die Region 1769 entdeckt und berühmt gemacht hat, bis heute ein Touristenmagnet. Für mich als Radfahrer eine sehr anspruchsvolle aber vor allem wunderschöne Strecke, deshalb folgen hier ausnahmsweise hauptsächlich Fotos und wenig Text.
Mit einer Nord-Süd und Ost-West Ausdehnung von rund 50 Kilometern ist es Englands größter Nationalpark (größer als das Saarland, wherever that is). Da ich von Carlisle im Norden bis Lancaster weiter südlich durchgekurvt bin, waren es für mich zwei Etappen von jeweils knapp 80 Kilometern. Hätte ich nicht wieder etwas zu viel gepackt (Regenzeug für das Mutterland des Regens) wäre es auch etwas leichter gewesen…

Nach meinem Empfinden „so typisch Englisch“ fing es an, auf ruhigen Straßen konnte man das englische Landleben genießen. Auch die Dörfer strahlen eine angenehme Ruhe aus, sind aufgeräumt und ordentlich, gerne mit einem schönen historischen Pub, auch sie tragen auch zum Charme der Radtour bei.

Am Anfang des Parks kommen dann diese weiten kahlen Landschaften, wo der Blick weit schweift und man die Ruhe und die Einsamkeit genießt. Stellenweise dachte ich, noch ein Jurte und eine Herde Pferde und ich bin wieder in Khirgizstan …

Dann geht es über Seitentäler rauf und runter, wieder durch Wälder, verwunschen und angenehm schattig, und schon bald ist der erste von 16 größeren Seen zu sehen. Wäre der englische Asphalt nicht immer wieder so unerträglich rumpelig, wäre man meistens eine entspannte Stunde früher am Ziel…

Hier bei Keswick schon einer der größten Seen. Die Engländer genießen es, SUPs und Paddelboote kommen gleich! Dass die Temperatur bald 30 Grad erreicht, müßte nicht unbedingt sein, aber in München sagen sie, ich soll die Bergfrische genießen…

Die zentralen Orte wie Keswick, Ambleside und Windermere sind so richtig schön touristisch und überlaufen, da steht ein Outdoor Shop am anderen, vor allem für Leute die sich im Wesentlichen auf das Bummeln und die Schifffahrt auf den Seen konzentrieren. Und komischerweise ist der Aperol Spritz leuchtend orange hier nicht angekommen! Dafür ist das Bier Peroni sowohl im Pub. wie auch im Supermarkt ganz vorne dran. Bravi, nostri amici italiani! Augustiner, Franziskaner, oder überhaupt deutsches Bier: Nix, Fehlanzeige!

Tatsächlich ist die Schifffahrt das eigentliche Highlight für die Touristen. Sie ist auf mehreren größeren Seen möglich und die Schlangen sind überall lang und die Parkplätze überfüllt. Hier ein ruhiges Bild, der volle Kiosk und die Menschenmengen sind nicht so photogen…

Die härteste Herausforderung für mich war der Kirkstone, der höchste Pass Englands mit 454 m über dem Meeresspiegel. Nicht lachen! Ich habe es tatsächlich nicht geschafft, ohne zweimal 30 Meter zu schieben. Hier hat schon manch a fine British car überhitzt und ich war auch froh, dass die neue Herzklappe gehalten hat.

Überhaupt waren auf den zwei Tagen immer wieder brutal steile Nebenstraßen dabei, die zwei weitere Abstiege erfordert haben. Und bergab kam die zum Glück hervorragende Hydraulikbremse wahrscheinlich knapp zum glühen, mit der alten Kabelzug Bremse wäre es kaum zu halten gewesen.

Also einfach nur schön dieser Lake District und sehr zu empfehlen, eventuell auch mit einem netten Wohnmobil mit Kayak dabei und Wanderschuhen: 180 Gipfel über 2000 Fuß stehen zur Auswahl. Auch der Scaffel Pike, Englands höchster Gipfel (979 m), ist wohl auch nicht so ohne. Noch höher und sehr lohnend ist natürlich Mt Snowdon (1085 m), den ich gerne geführt habe, aber der liegt in Wales…

Also hier könnte ich auch ein paar Tage bleiben, aber die nette Bäuerin unten hat mich nicht hergewunken… Mit ihr hätte ich sogar Teeee getrunken! Aber dann fahre ich halt weiter zu Charles, der ja auch Duke of Lancaster ist, vielleicht gibt er ein Bier aus, wenn er hört, dass mein Schwiegervater mit seinem Vater in Salem war.