Aber lieber ohne Spritze!

Die Abnehmspritze liegt ja voll im Trend, der absolute Hype würde man sogar sagen, wenn alle, die sie nehmen, es auch zugeben würden. Die meisten reden lieber nur von ihrem Yoga und „umgestellter Ernährung“.
Ich war lieber mit einer seit Jahrtausenden bewährten Methode erfolgreich. Ich bin halt so, lehne Modetrends grundsätzlich ab. Dafür kann ich jetzt auch belegen, dass es keine komplexe Chemiespritze braucht, um ein paar Kilo loszuwerden. Also eine ganz klare Empfehlung.

Natürlich ist die Erfolgsstory der Spritze wunderbar, das will ich nicht kleinreden.  Hollywood Stars und ein paar Superreiche wie Elon Musk haben für das Marketing gesorgt, jetzt brummt das Geschäft auch in Deutschland. Inzwischen sind 17 Präparate mit insgesamt 4 Wirkstoffen zugelassen. Interessanterweise wurden sie auch von der Stiftung Warentest getestet, als wären es Alltagsbegleiter wie Zahnpasta oder Hautcremes und nicht Medikamente.  
Irgendwo ist es gut, dass zumindest diese Industrie keine Krise kennt. Es ist ein schnell wachsender Milliardenmarkt und die Aktionäre dürfen sich über fette Dividendenzahlungen freuen. 

Aber wo bleibt die German Angst? Hierzulande fürchtet man sich ja gerne vor allem Möglichen, vor Atom- und Gentechnik natürlich, Mobilfunkmasten, aber auch vor Gluten und der Kuhmilch, die ja heutzutage als ganz gefährlich gilt – auch wenn die Wissenschaft das Gegenteil sagt. Trotzdem stürzen sich viele so gierig auf diese Abnehmspritze, als ob es ein Wiener Schnitzel wäre.
Dass sie massiv in die Körperfunktionen eingreift, sollte eigentlich offensichtlich sein. Sie ist entwickelt worden als Medikament für Diabetes Typ-2 Patienten, insbesondere um den Blutzucker zu senken und die Insulinproduktion zu verbessern. Deshalb ist sie auch ein sehr wichtiges Medikament, sollte aber nicht von jedem/r eingenommen werden, die/der meint, zwei Kilo zuviel auf den Hüften zu haben.

Man findet auch leicht heraus, dass sie viele üble Nebenwirkungen haben kann: Übelkeit und Erbrechen, Durchfall, Bauch- und Kopfschmerzen. Seltener Bauchspeicheldrüsenentzündung, Nierenprobleme oder Gallensteine.  
Über die langfristigen Nebenwirkungen, die möglicherweise noch gravierender sind, weiß man nichts, weil man diese so wichtige medizinische Innovation ganz schnell den breiten Massen zugänglich machen musste. Verschreibungspflicht besteht theoretisch, Interessenten finden aber leicht Möglichkeiten, diese Formalie unbesehen zu erledigen. 
Besonders „begrüßenswert“ ist sicher auch, dass Novo Nordisk demnächst die Zulassung seines Wirkstoffs für 10 bis 17-jährige beantragen wird – früh übt sich… Und das auch noch in Tablettenform – da flutscht das Lifestyleprodukt noch besser runter!
Und dazu der Preis: 300 bis 500 € pro Monat muss man rechnen. Deshalb bevorzuge ich die Jahrtausende alte – und kostengünstige – Methode: das Hungern, heute etwas freundlicher umschrieben. 

Heilfasten/Fastenwandern ist die Lösung. Jedenfalls hat es super funktioniert: in 7 Tagen 5 Kilo weniger, von 78 auf 73 Kilo, um es ehrlich zu sagen. Und als Bonus 4 Zentimeter weniger Bauchumfang. In neue Hosen investiere ich jetzt aber nicht, schnalle nur den Gürtel etwas enger. Das ist viel besser als erwartet, ich hatte nur 3 Kilo weniger als Zielvorstellung. Dieses Gewicht habe ich wohl seit den 40er Jahren nicht mehr gesehen…

Es gibt haufenweise Bücher über das Heilfasten aber das Prinzip ist einfach: fast nichts essen, dann greift der Körper auf seine Reserven zurück. Schon Hildegard von Bingen hat vor rund 900 Jahren die Vorzüge dieser Methode wissenschaftlich begründet. Es wird im großen Stil entgiftet und entschlackt, so dass alle Zelle und Organe wieder auf Hochtouren kommen und die meisten Beschwerden wie von selbst verfliegen… Daher Heilfasten. Das Hirn ist bei mir leider nicht schneller geworden…

So einfach es klingt, ist es kaum allein zu machen. Absolut wesentlich für mich sind die geführten Wanderungen in der Gruppe (knapp 3 Stunden, 20.000 Schritte). Dazu könnte ich mich allein zu Hause nicht motivieren, besonders bei so einem gemeinen Aprilwetter mit Graupelschauern wie wir es an vier von fünf Wandertagen hatten. 
Die ganze Woche wurde begleitet von der erfahrenen Fastenleiterin Martina, die viel erklärt, motiviert und Fragen beantwortet hat. Dazu noch die liebevolle Versorgung mit guten Tees, mittags gelöffelter Obstsaft (Foto unten), abends feine Brühe. Und zusätzlich Morgengymnastik, Leberwickel, Yoga oder Vorträge, Massageangebot usw.
Ich hatte schon vor 15 Jahren einmal die Theorie entwickelt, dass es die Einläufe und den Verzicht auf Kaffee nicht unbedingt braucht. Das hat glücklicherweise inzwischen Eingang in die einschlägige Literatur gefunden, ist aber noch nicht Konsens…

Das Ganze ist allerdings nicht der reine Genussurlaub. Man hat doch viel mit Müdigkeit oder Kopfschmerzen zu kämpfen. Wir waren 14 Teilnehmer, die meisten bereits erfahren. Alle haben gut durchgehalten und waren sehr zufrieden. 
Der Preis von 770 € für die Woche, in einem historischen Gebäude direkt am Kloster Seeon (Chiemgau), war also absolut fair und sehr lohnend.

Nach der Fastenwoche bleibt es allerdings herausfordernd! Die folgende Woche zuhause ist noch sehr positiv. Langsam wird wieder aufgebaut, man freut sich wie ein Schneekönig über die ersten Apfelschnitten mit Zimt und vor allem die ersten Pellkartoffeln mit Kräuterquark. Ein Traum! Tag für Tag genießt man intensiv jeden neuen Geschmack, der dazukommt. Da braucht es kein Sterne Restaurant. Diese erste Woche entwickelt sich so zum Basenfasten, also wieder sehr wenig essen und basisch, also vor allem Gemüse und Obst. Und die Marke 73 Kg hält bei mir, obwohl das System wieder mit Essen gefüllt wird.

Wie komme ich da wieder raus? Inzwischen sind über 4 Wochen seit Anfang des Fastenwanderns vergangen. Die 73 hält immer noch. Auch Radtouren mit 40 und 60 Kilometer sind erstaunlich locker gelaufen. Das Problem ist nur, dass ich aus dem Fastenmodus nicht wirklich raus bin. Offensichtlich bin ich nicht bereit, das Erreichte abzugeben, also achte ich weiter streng auf wenig und gesundes Essen. Zum Glück bin ich kein Kuchen- und Schokofreund, aber allmählich fehlt mir schon das gute Brot, Schinken, Käse, Pasta, Pizza und vor allem die Butterbreze. Aber es kommt  alles wieder, ganz langsam… 

Fasten im Haus Rufinus, Seeon. www.rufinus.de