Un Français chez les Wittelsbach

Die Bayern sind ja bekanntlich ein grobes und undankbares Volk, das sagen die Stadtführer immer gerne. Also immer, wenn sie eine französische Gruppe haben… Aber irgendwo ist schon etwas dran. Wem hat Bayern seine heutige Größe zu verdanken? Wer hat das Herzogtun zum Königreich erhoben? Wer hat das schöne Palais Leuchtenberg in München gebaut? Und wer ist dieser nette, allzu gerne vergessene Mann, der in der Wittelsbacher Familiengruft liegt?

Sehr ausführliche und anschauliche Antworten auf diese Fragen gibt es bis zum 17. Mai in der Eugène de Beauharnais Ausstellung im Kloster Seeon (beim Chiemsee). Das ist schon ist schon eher Wissen für Spezialisten, daher hier nur das Wesentliche. 

Napoleon rettet Bayern vor dem Zugriff Österreichs. Schon seit 1801 setzt Bayern auf die französische Karte und das lohnt sich richtig. Dem kleinen Bayern werden 1803 Franken und ein Teil Schwabens zugeschlagen, so wächst das Land auf die heutige Größe. Kaiser Franz I. in Wien kann das aber nicht dulden und verspricht Bayern zu „verschlingen“. Am 8. September 1805 überschreiten seine Truppen den Inn. 

Doch der französische Kaiser ist schnell zur Stelle, besiegt die Österreicher in Elchingen, zwingt General Mack bei Ulm zur Kapitulation. Das Bild oben zeigt ihn in Augsburg am 12. Oktober 1805. Dann schlägt er die Alliierten vernichtend in Austerlitz (in Mähren, heute Slavov u Brna in Tschechien). So muss der Habsburger schließlich akzeptieren, dass Bayern zum souveränen Königreich aufsteigt. Am 1. Januar 1086 ist Napoleon in München, um Max Josef zum König zu erheben. 

Eugène de Beauharnais und die große Liebe. Doch wie kommt dieser Eugène in die Familie Wittelsbach? In den Wirren der französischen Revolution wurde sein Vater bedauerlicherweise 1794 guillotiniert und er schlägt früh eine brillante Offizierslaufbahn ein. Und schon bald reitet er an der Seite Napoleons, denn dieser hat schon 1796 seine Mutter Joséphine geheiratet.

Der korsische Emporkömmling adoptiert seinen Stiefsohn und verlangt für ihn von Max Josef die Hand seiner ältesten Tochter Auguste Amalie, um seinen Aufstieg in den europäischen Adel zu festigen. Dieses „Opfer“ fällt den beiden erst schwer, doch schon bald sollte aus dieser arrangierten Ehe eine Liebesgeschichte für die Geschichtsbücher werden.

Die Hochzeit findet am 13 Januar 1806 im Grünen Salon der königlichen Residenz in München statt. Da der Bräutigam inzwischen zum Vizekönig Italiens aufgestiegen ist, ziehen die beiden über die Alpen und residieren glücklich in Mailand und in der Villa Reale in Monza (unten rechts), wo der junge Herrscher seiner Gattin einen 12 Quadratkilometer großen englischen Garten anlegen lässt, damit sie kein Heimweh nach Nymphenburg bekommt. #

Ihn schmerzt ihn nur etwas, dass sein Stiefvater und seine Generäle ohne ihn die sächsischen und preußischen Armeen besiegen (Jena, Auerstedt, Preußisch-Eylau…).
Doch Auguste Amalie ist sehr glücklich, schreibt begeistert an ihren Bruder Prinz Ludwig, und schenkt ihrem Mann zwei wunderbare Kinder – „freilich Mädchen“ schreibt sie – erst Joséphine und im Dezember 1808 Eugénie.

Krieg und Flucht in die alte Heimat.  Der junge Vater hatte sich bei seinem Adoptivvater beklagt, dass er „auf dem Abstellgleis stehe“. Doch seinen Krieg sollte er bald bekommen – und zwar viel mehr, als er es sich wünschte. Im Frühjahr 1809 greifen die Österreicher wieder an, Eugène verliert prompt  eine Schlacht im Friaul (unverschuldet), was Napoleon wütend macht, doch dieser verliert selbst nach einigen Siegen mit seinen Bayrischen Offizieren die Schlacht von Aspern (21. und 22.5).


Sein tapferer Schwiegersohn dagegen erringt einen Sieg nach dem anderen, in Sankt Michael an der Mur (25. Mai 1809, Bild oben) und beim ungarischen Ort Raab. Dann muss er auch noch den Andreas Hofer Aufstand in Tirol zerschlagen.

Schon bald geht der Krieg weiter, Napoleon marschiert 1812 an der Spitze der Grande Armée – darunter 30.000 bayrische Soldaten – gegen Moskau. Es endet bekanntlich in einer Katastrophe, für den französischen Kaiser ist es der Anfang vom Ende.
Gegen Ende des Feldzugs übernimmt der treue Adoptivsohn das Oberkommando, kann aber nicht mehr viel retten. Von seinen Bayern kommt wohl nur eine Handvoll zurück. Schlimmer: König Max Josef hat taktisch klug das Lager gewechselt und steht nun gegen ihn!   

Eugène wird die italienische Krone angeboten, damit auch er die Seiten wechselt, doch gemäß seinem Wahlspruch „Honneur et Fidélité“ (Ehre und Treue) weigert er sich, seinen Stiefvater zu verraten. 
Nach der endgültigen Niederlage muss er allerdings das Land aufgeben und ist heilfroh, in der alten Heimat seiner Frau Zuflucht zu finden. 

Bescheidenes Glück und früher Tod. Er hat alles verloren, auch seine Titel, dann stirbt auch noch seine Mutter. In München erwirbt er in Ismaning den alten barocken Landsitz des Freisinger Fürstbischofs von Kapfing und Liechteneck (heute Schlossmuseum Ismaning – Eintritt frei) und genießt das Leben mit seinen Kindern. So süß und engelhaft wie im Gemälde von Joseph Stieler (1815) wurden Herrscherkinder zuvor nicht dargestellt.
Sein Schwager Ludwig hat ihn bei den Friedensverhandlungen in keiner Hinsicht unterstützt aber Max Josef ernennt ihn 1817 zumindest zum Fürsten von Eichstätt (wo er die alte Fürstbischöfliche Residenz renoviert) und zum Herzog von Leuchtenberg. Somit hat er zwar Titel, allerdings ohne Besitz und Souveränität.

Obwohl sein Schwager Ludwig keinen Hehl aus seinem Franzosenhass macht (ganz unten rechts), gelingt es ihm noch das Palais Leuchtenberg (Bilder unten), spiegelbildlich zum Odeon (heute Finanzministerium), am Anfang der Münchner Ludwigstrasse zu bauen. Damals mit Ball-, Speise- und Billardsaal, Hoftheater, Bibliothek und repräsentativer Gemäldegalerie, doch dieses Innenleben wurde nach 1945 nicht wieder aufgebaut.

Leider stirbt er viel zu früh, zur großen Verzweiflung seiner Auguste Amalie und der sieben Kinder. „Der Tod raubte mir meinen Eugène, für den ich seit 18 Jahren lebte, mit dem ich Leid und Freude theilte, und der mein Freund, meine Stütze, mein Stolz war (…) Eugène starb wie er gelebt hatte, sein verklärtes Gesicht drückte die Güte seiner schuldfreien Seele aus.“
Am 25. Februar 1824 wird er beigesetzt in der Wittelsbacher Gruft in der Hofkirche Sankt Michael. Seine Frau gibt sein Epitaph (links im Kirchenschiff) bei dem berühmten Bildhauer Bertel Thorvaldsen in Auftrag. Sie verzichtete bewusst auf alle Titel, um seinen Leitspruch hervorzuheben: „Honneur et Fidélité“.

Eugéne de Beauharnais zu seinem 200. Todestag. Kloster Seeon (nahe Chiemsee). Bis 17. Mai 2026. Eintritt frei.