Standen Sie auch schon eimal vor einem bunten abstrakten Kunstwerk und dachten sich, ist das wirklich Kunst oder kann das weg? Oder kamen Sie vielleicht auf einer Messe zu dem Schluß, dass die eigentliche Kunst wohl darin besteht, Farbkleckse und wilde Pinselschwünge als teure und bleibende Kunst zu verkaufen? Wenn ja, dann ist Sell La Vie im Münchner Amuseum (Schellingstraße 3) sicher etwas für Sie.


Es ist die erste institutionnelle Einzelaustellung (noch bis 20. Juli 2025) des Street Art Künstler NoNÅME, der ja schon mit seinem Namen ausdrückt, dass er wie sein Kollege Banksy anonym bleibt, weil das Werk im Fokus stehen soll – nicht der selbstverliebte Selbsvermarktungskünstler.
NoNÅMEs Werke wollen zu denken geben, wachrütteln. Er nutzt meist die unbeschwerte Bildsprache der aufstrebenden USA in Werbung und Comics um die Kehrseite unserer Konsumgesellschaft aufzuzeigen. Humorvoll zeigt er die bitteren Konsequenzen unseres Lebensstils auf, von Umweltzerstörung bis zu wachsender Ungleichheit. Doppelmoral, Ignoranz und Egoismus gehören zum etwas bitteren Hintergrund. Ja natürlich machen wir gerne einen schönen Urlaub und blenden die Armut vor Ort aus.

„Street Art“ bezieht sich nicht nur auf die Straße als Ausstellungsort, das erfährt man auch im Amuseum of Contemporary Art. Die Ablehnung der Selbstvermarktung im geschlossenen Kunst- (und Investment)Betrieb ist nur ein Aspekt. In der Street Art Philosophie ist die Auseinandersetzung mit den „Themen der Straße“, also mit den Herausforderungen, die alle betreffen, essenziell. Es geht nicht um Deko, sondern um Denkanstöße. Provokationen und eine gewisse Subversivität sind in der Auseinandersetzung mit gesellschaftlich relevanten Themen naheliegend.

Im Amuseum zeigt sich, dass München sich als ein wichtiges Zentrum der Street Art-Bewegung etabliert hat. Es ist eine international bislang einzigartige Institution – aber natürlich sind viele Werke auch in den Straßen der Landeshauptstadt zu entdecken.
Inhaltliches Fundament des Museums (künstlerische Leitung Sebastian Pohl) ist die seit mehr als einem Jahrzehnt andauernde Zusammenarbeit des Kunstvereins Positive-Propaganda mit den bedeutendsten Akteuren der Street Art-Bewegung. Die Stadt München fördert dankenswerterweise dieses Zentrum der oft subversiven Kunst und der Eintritt ist frei. Doch Spenden sind auch wichtig.
Im Amuseum bekommt man auch einen Stadtplan, der offenlegt, wo man die Werke von NoNÅME, Invader, Shepard Fairey, BLU, Mark Jenkins, ESCIF, und anderen bekannten avantgardistischen Künstlern entdecken kann. Dann braucht es auch noch ein Fahrrad, denn die kleinen Schätze sind weit verstreut.

