Bella, la Sicilia! Die letzte Etappe runter bis zum Strand von Taormina (die klassische Sizilien Postkarte mit griechischem Theater und Blick auf den Etna) ist auch die längste: 94 Kilometer. Es ist aber nicht die härteste, weil es von Regalbuto im zentralen Hochland bis zur Küste viel mehr bergab als bergauf geht. Eine schöne, ruhige Fahrt, immer mit dem rauchenden und schneebedecktem Vulkan im Blick, an duftenden Orangenhainen und der Alcantara-Schlucht vorbei.

Vom westlichen Ende in Trapani hierher waren es 10 Reisetage, inklusive Flug und zwei Tagen Palermo, oder 6 Tage auf dem Sattel. Insgesamt rund 390 Kilometer mit dem Rad.
Absolut richtig war die Reisezeit! Auf dem Weg nach Enna bin ich zwar gleich zwei mal richtig durchnässt und brutal runtergekühlt worden, aber im April/Anfang Mai ist die Insel wunderbar grün, es blüht gelb und rot überall. Die riesigen Hartweizen Flächen färben sich aber schon bald, ab Mitte Mai, gelb und danach fängt es an, immer heisser und trockener zu werden bis alles sonnenverbrannt ist… Jetzt waren die Temperaturen sehr angenehm, die Anstiege trotzdem oft herausfordernd. Es könnte sein, dass ich 3 Zentimeter teuer erworbenen Bauchumfang verloren habe…
Da ich weiter will, nach Apulien, ist die gewählte Strecke in Sizilien etwas eigen – Agrigent und Syrakus zum Beispiel sind nicht dabei. Ich wollte mir noch unbekannte Ecken kennenlernen, deshalb der Nordwesten ab Trapani (dort hätten sich noch die Salinen angeboten) bis Palermo. Danach vor allem das meist vernachlässigte Landesinnere mit seinen faszinierend weiten Landschaften. Ich stehe auch dazu, dass ich von Palermo bis Caltanissetta mit dem Zug gefahren bin. Die rund 95 Kilometer von der Küste rauf durch menschenleere Landschaften müssen die Höchststrafe sein….

Ich fand die Strecke durch das Herz Siziliens sehr lohnend. Auch hier kommt man als Reisender nicht dazu, alles Sehenswürdigkeiten wahrzunehmen. In Enna, Agira, Bronte… Sizilien ist einfach zu reich an Geschichte. Etwas zu ruhig ist es manchmal allerdings auch, sogar die Möglichkeiten, Espresso nachzutanken oder eine Banane zu kaufen, sind arg dünn gesät. Wenn man dann aber wieder an der Küste landet, an der Isola Bella (Taormina), dann ist der schon sommerliche Touristentrubel kaum zu ertragen. Viel zu enge Straßen für die vielen Busse, Mopeds, Lieferanten und Fußgänger. Ein Restaurant und Touri-Laden am anderen…
Da freue ich mich, nach Kalabrien, an der Spitze des Stiefels, überzusetzen. Da fängt der echte Mezzogiorno an, der tiefe Süden, der von Gott (Cristo si è fermato a Eboli), den Herrschern und vom Rest Italiens vergessen wurde.

