Rogers Mosaik

Klar, alle wollen wieder wissen, wo der beste Platz für einen oder zwei Apéros in Palermo ist… aber heute hat die Kultur Vorrang! Mosaik geht immer vor Apéro!
Man kann vom Anblick der Cappella Palatina nur überwältigt sein, versinkt sprachlos in dieser goldenen Schatulle, kann sich nicht satt sehen an diesen so lebendigen biblischen Szenen. Das Auge springt dabei von einem Ornament zum nächsten Glanzpunkt. Es ist ohne Zweifel die schönste Kirche der Christenheit im 12 Jahrhundert – auch wenn die wertvollste in Jerusalem schon seit 1099 in christlicher Hand ist.

Der Normannen Herrscher Roger II wollte die Palatina im prächtigsten byzantinischen Stil haben, mit Unmengen von Gold. Seine arabisch einheimischen Künstler aus Palermo haben die christlichen Figuren hervorgehoben mit den schönsten geometrischen Marmormotiven im islamischen Stil und einer Mokarnass Decke, wie man sie eher aus den Palästen Samarkands kennt.

Dabei sind wir hier nicht in der spektakulären Kathedrale (1185) Palermos, die auch die Grablege des Staufers Friedrich II ist. Die Cappella ist nur die Privatkapelle des Palazzo reale (Bauzeit 1132 – 1140) . Allerdings stand für Ruggero der Glaube nicht im Vordergrund. Ihm ging es in erster Linie um Macht. Der verschwenderische Einsatz von Gold sollte aller Welt seinen Machtanspruch belegen. Sein Vater Roger I hatte 1072 endlich Palermo erstürmt, 30 Jahre lang hatte er gekämpft, um Sizilien zu erobern. Nun war Palermo normannisch, endlich auch christlich – und eine der größten und reichsten Städten des Kontinents. Jetzt wollte Roger II die Königswürde.

Der Papst gab sich arg begriffsstutzig, doch den gewaltigen Maßnahmen des Normannen konnte er nicht lange widerstehen. Nicht nur Sizilien, sondern ganz Süditalien erlebt folglich im sogenannten arabisch-normannischen Reich eine goldene Zeit. Palermo hatte es in die erste Liga Europas geschafft. Auch Friedrich II, Sohn der jüngsten Tochter Rogers, Konstanze von Hauteville, und unseres Kaiser Heinrichs VI, sollte hier aufwachsen. Die Staufer zählen ja zum führenden deutschen Stamm der Schwaben (wie der Autor – und die Welfen, die ja München gegründet haben…) aber Friedrichs Kindheit im arabisch-normannischen Sizilien seiner Mutter Konstanze von Hauteville erklärt natürlich Friedrichs Verständnis und Faszination für den Orient.