Natürlich fehlt Hamburg vieles – besonders bei lokaltypischem Schietwetter – was München so schön macht, das bestätigt jeder (Münchner) Stadtführer gerne. Allerdings macht die Elbe mit ihrem Hafen dieses Manko locker wieder wett. Deshalb der heutige Tipp: nicht am Hauptbahnhof oder am Rathaus hängen bleiben, sondern direkt zur Kreuzfahrt mit Öffis.

Vom Schiff aus zeigt sich die einzigartige Schönheit Hamburgs am besten. Also einfach in die S-Bahn nach Klein Flottbek einsteigen (Richtung Blankenese, alle 10 Minuten). Dort bekommt man gleich einen Eindruck von der stilvollen Architektur der Elbvororte und nähert sich der Elbe von oben. Der Weg führt durch den Jenisch Park, vorbei an dem wunderbaren Landschlösschen Jenischhaus von Karl Friedrich Schinkel und Gustav Forsmann mit seiner edlen Ausstattung (bis September 2026 zu besichtigen). Auch die kleinen aber feinen Ernst Barlach und Eduard Bargheer Museen bieten spannende Wechselausstellungen. Danach zeigt sich schon der ersehnte Blick über den Fluss und der Abstieg zur Uferpromenade und zu dem Fähranleger Teufelsbrück.
Leinen los! Für die Fähre 64 genügt das Deutschland Ticket. Die Fahrt quer über den mächtigen Fluss ist schon eindrucksvoll, besonders wenn ein erster Frachter majestätisch vorbeizieht. Finkenwerder war einst eine Fischerinsel, heute werden hier auf der Fläche von 500 Fußballfeldern Airbusteile montiert (Werksführungen täglich).
Umgestiegen wird in Richtung Landungsbrücken in die Fähre 62 mit Blick auf das alte Lotsenhaus Seemannshöft, ein Backsteinbau mit großer Turmuhr, der wie ein Schlößchen wirkt – mit einer Tankanlage im Hintergrund. Von dort schippert man weiter, vorbei an Hafenanlagen und Containerschiffen, der Blick weitet sich als es wieder rüber auf die Stadtseite geht.

Es geht zum Elbstrand Övelgönne, wo die Hamburger auch mitten im Winter über den Sand stiefeln. Allerdings darf hier auch im Sommer nicht gebadet werden: die Sogwirkung der großen Schiffe ist lebensgefährlich, das kann jeder Rettungsschwimmer bestätigen. Dafür schaut man auf die vorbeiziehendenKähne und die schönen Villen von Övelgönne.

Vom Boot aus hat man einen guten Blick auf das Feuerschiff Elbe 3 und andere Kutter des Museumshafens, Eisbrecher, Dampfschlepper oder auch Kräne. Nach der Besichtigung gibt’s hier Fischbrötchen wie überall in HH – wer‘s mag – und schöne Plätze für einen Espresso.
Die Fahrt ins Zentrum bleibt abwechslungsreich, vorbei am Altonaer Fischmarkt und eindrucksvoller Backstein Architektur aber auch an modernen Entwürfen, wie das keilförmige Bürogebäude Dockland, das auch eine öffentlich zugängliche Dachterrasse für ein Picknick anbietet.


Hamburg überzeugt eben nicht nur mit alten Kirchentürmen oder dem St. Pauli Fischmarkt, sondern mit einer abwechslungsreichen und innovativen modernen Architektur. Eine Skyline, die der zweitgrößten Stadt Deutschlands würdig ist. Wenn man in die Stadt reingleitet mit diesem Blick vor Augen kommt tatsächlich Kreuzfahrtfeeling auf. Highlight der Photographen ist natürlich die Elbphilharmonie bevor man bei den historischen Gebäuden an den Landungsbrücken festmacht.

Direkt an der Promenade ist der 1. Stock des Restaurant Alex aufgrund des Blicks sehr zu empfehlen für einen Sundowner. Oder einfach zu Fuß weiter durch die Welterbe Speicherstadt zur Elbphilharmonie.


Oder besser hoch bis zum Michel, das Wahrzeichen Hamburgs. Im kleeblattförmigen Barocksaal werden auch die Hamburger Jungs geehrt, die in China und Afrika (Deutsch Südwest) die Aufständischen bekämpft haben („Heldentaten“ im Dienst des Kaisers, die durch eine zweite Plakette relativiert werden). Aber vor allem lohnt der gigantische Blick auf den Hafen von der Plattform in 106 Metern Höhe (Aufzug). Da kann Münchens alter Peter nicht ganz mithalten. Am Abend setzt man dann nochmal mit dem Schiff über zum König der Löwen, 16 Millionen Zuschauer in 20 Jahren können sich nicht irren!


