Gokarna Impressionen

Es gibt kein Land der Welt, dass so vielseitig und widersprüchlich ist wie Indien. Diese unvorstellbar bunte Vielfalt und chaotische Unübersichtlichkeit gilt auch für seine Hauptreligion, der Hinduismus. Natürlich gibt es viele Teilaspekte, wie das Leben des Gottes Ganesha (der mit dem Elefantenkopf) oder den Ursprüngen der Veden mit den Ariern, die man gut erzählen kann. Aber wirklich verständlich wird das Gesamtbild dadurch nicht.
Indien packt uns aber mit seinen Stimmungen, seinen Farben, seinen Gerüchen. Es entzieht sich Vieles dem Verständnis, man ist aber ergriffen von seinen Gesichtern und (erahnten) Schicksalen. Der Besucher muss nichts von dem geehrten Hindu Gott wissen, um den intensiven Glauben der Menschen, ihre Wünsche, zu spüren.
Deshalb folgt hier eine Fotostrecke, auch wenn das gar nicht dem Geist dieses Mosaiks entspricht, steht aber für das bunte indische Mosaik.

Wir sind hier in Gokarna, einem kleinen Städtchen mit zwei Hauptstraßen und einem heiligen See. Es liegt südlich von Goa, am Anfang des Bundesstaates Karnataka. Hier wird also schon wieder eine andere Sprache gesprochen (man zählt in Indien 22 Hauptsprachen, über 100 intensiv gebrauchte Sprachen und viele hunderte Dialekte) . Auch Karnataka hat große Sehenswürdigkeiten aber Gokarna ist international vor allem bekannt durch schöne und wenig erschlossene Strände und das edle Ayurveda Resort SwasSwara am Om Beach.
Regional berühmt ist der Mahabaleshvara-Tempel, in dessen Heiligtum ein Messing ummantelter Stein-Linga steht. Dieser steht für den Gott Shiva und zu seinem Geburtstag Mitte Februar wird ein spektakuläres Fest gefeiert, bei dem ein geschmückter Tempelwagen (unten) durch die Straßen gezogen wird.

Hier können einheimische Produkte geschoppt werden, der schöne Schal mit der grün-rot-goldenen Bordüre (oben links) hat immerhin 100 Rupien gekostet (1 €). Bei solchen Preisen muss die Akkumulation von Kapital wohl langsam gehen… Aber inzwischen haben wohl alle Familien einen Motorroller (inkl. Versicherung und Road Tax), nur für den Helm reicht das Geld noch nicht. Fahrräder gibt es noch, sind aber schwer zu erwischen (ganz unten).

Wir haben mit einer Einheimischen fünf Tempel besichtig – und jeder war auf seine Art ergreifend. Leider ist das Heiligtum jeweils weit im Gebäude wie in einer Höhle geschützt, so dass der Tourist es zwar umkreisen darf aber seinen Photoapparat in der Tasche lässt….

Dies ist der Prozessionswagen mit einem hohen Aufbau, der noch mit Blumen geschmückt wird. Die indischen Feste sind immer eine Show, nur das Gedränge muss man mögen.

Am Tempeleingang werden in aller Regel Blumen angeboten. Sie zu kaufen ist ein Zeichen des Respekts und eine gute Weise, die Menschen zu unterstützen.

Hier sieht man, dass Frauen sich gerne photographieren lassen, wenn man sie anspricht. Rechts bildet sich an einem ganz normalen Tag eine Schlange am Zugang zum Shiva Heiligtum.

Die Gottheiten vieler Tempel sind lokal, sind also entstanden aufgrund einer lokalen Legende oder auch eines besonderen Orts. Sie haben ihre Priester, die den Menschen Zeremonien anbieten und wichtige Begleiter im Alltag sind.