Goa ist ein altes christliches Land, seit Vasco da Gama 1498 als erster Europäer die indische Südküste erreicht hat. Schon bald nach den katholischen Soldaten kamen die ersten Missionare und bis heute bleibt die christliche Gemeinde sehr aktiv. Die wohl weltweit führende Figur der christlichen Missionierung ist hier zuhause.
Antonio De Souza, fast Priester aus indisch-portugiesischer Familie, hat mir in Alt Goa alles gezeigt.

Früh morgens waren im Gottesdienst im Kirchlein San Sebastian rund 30 Personen zusammengekommen, vor allem Frauen, nicht wenig für einen Wochentag. Die Liturgie erfolgte in Landessprache, aber man kennt sich ja aus. Von rund 300 Dörfern im Bundesstaat haben 135 eine Kirche und am Sonntag ist der Besuch Pflicht, erklärt Antonio. „Wenn Du zwei Mal unentschuldigt nicht kommst, führt das zu einem Gespräch…“
Antonios Mutter hatte schon drei Töchter, da hat sie feierlich gelobt, der Kirche einen Priester zu schenken, wenn sie einen Sohn bekommt. Antonio kam, doch die Festlegung hat den feschen jungen Mann zunehmend belastet, weil Goa voller hübscher Mädchen ist. In seiner Not hat er das Gespräch mit dem Bischof gesucht, ein verständnisvoller Christ, der ihm gesagt hat, er könne auch als Verheirateter ein guter Mann der Kirche sein.
Kleine Retourkutsche von oben: auch er hat 3 Töchter bekommen. Das ist in Indien eine echte Herausforderung, denn schon eine einzelne Mitgiftforderung, kann eine Familie an den Rand des Ruins bringen.
Bis heute ist Antonio ein in der Mission engagierter Christ. Er spricht die Ärmsten der Gesellschaft an, meist sind es eingewanderte „Unberührbare“, die kastenlosen Dalit aus Zentralindien, die oft in der Müllverwertung tätig sind. Er spricht mit ihnen, was nicht selbstverständlich ist, hilft so gut er kann. Vier Familien konnte er schon für die Kirche gewinnen. Das sollte Narendra Modi, der Hindunationalist, nicht erfahren. In einigen Bundesländern gelten schon „anti-conversion laws“: keiner darf vom Hinduglauben abfallen (andersrum ist es schon OK)

Das große Vorbild aller Missionare weltweit kann man in Alt Goa besuchen. Im 17. Jahrhundert war es eine der großen Städte weltweit, mit 30.000 Einwohnern vergleichbar mit Lissabon. Ich hatte etwas Sorge vor einer heruntergekommenen Großstadt, aber nein, davon ist nichts mehr zu sehen, nur ein großes Areal, grün und sauber, wo rund 15 Kirchen, Klöster und Kapellen zu sehen sind.


Antonio führt mich zuerst zu Our lady of the Rosary, hoch über dem Fluss Mandovi. Von dieser Anhöhe leitete Alfonso de Albuquerque 1510 den Angriff seiner Flotte auf die Hauptstadt des Yusuf Adil Shah. Hier hat er dann diese erste wehrhafte Kirche mit Schießscharten und der Möglichkeit, Kanonen zu positionieren, bauen lassen. Für den Fall, dass die Muslime zurückschlagen.
Dann geht es vorbei an den Ruinen von Sankt Augustin (oben rechts). Das Kloster hatte einst die größte Kirche Asiens. Doch die Steuerforderungen der Mönche waren so unverschämt geworden, dass ihr Kloster aufgelöst wurde.


Der in Europa wie in Asien hoch verehrte Schutzheilige Goas, San Francisco Xavier (bay: Franz Xaver) liegt in der Basilica de Bom Jesus. Sie wurde ab 1594 errichtet und es herrscht hier reger Andrang.
Der Jugendliche Franciso aus Javier (Navarra) galt eher als Luftikus, durfte aber an der besten Universität seiner Zeit, der Sorbonne, studieren. Dort traf er auf den 15 Jahre älteren Ignazio de Loyola und der brachte ihn auf den Kurs Seelenrettung. Gemeinsam gründeten sie die Societas Jesu (IHS, der Jesuitenorden).
1542 landet Francisco in Goa und stürzt sich in die Missionsarbeit. Er lernt die Landessprachen, hilft überall, überzeugt die einfachen Menschen. Er baut auch das Paulskolleg auf, die Zentrale der Jesuiten für Asien. Von hier werden ihm viele folgen, nach Indonesien, Vietnam und weiter… Er soll selbst 30.000 Menschen bekehrt haben, eine unvorstellbare Zahl.

Doch er will weiter. Er wird als einer der ersten in Japan aufgenommen, muss aber verstehen, dass die Japaner eine eigene Sturheit haben und bleibt erfolglos, aber gesund. Münchner kennen das Bild in St. Michael von drei seiner Ordensbrüder, die der etwas unwirsche Tokugawa Shogun ans Kreuz hat nageln lassen.
1552 stirbt er erschöpft auf einer chinesischen Insel, als er auf die Einreise aufs Festland wartet. Er wird provisorisch beerdigt. Doch Monate später, als sein Leichnam nach Goa überführt wird, zeigt sein Körper kein Zeichen der Verwesung. Und auch ein Jahr später in Goa, ist er intakt. Dann wird ihm der rechte Arm abgenommen, um dem Papst dieses Wunder zu zeigen (heute in Roms Il Gesù Kirche zu betrachten). Nach seiner Heiligsprechung wurde er untergebracht in einem wunderbaren Grab (oben) mit einem aufgesetzten Reliquar aus Silber. Bis heute dürfen Gläubige alle 10 Jahre einen Blick auf seinen intakten Leichnam erhaschen.
Böse Zungen kritisieren, dass er an der heiligen Inquisition, gegen dekadente portugiesische Adelige und wankelmütige Hindus, nicht völlig unbeteiligt war. Das muss hier aber nicht vertieft werden. Es war auf alle Fälle ein schönes Erlebnis, diesen Glauben hier in Alt-Goa zu erleben. Shukriya! Danke Antonio.
Antonio De Souza. Whatsapp +91 89752 75282

