Wer ist denn auf die Idee gekommen, das unschuldige Jesuskind in den Biergarten am Chinesischen Turm im Englischen Garten zu legen? So ein Glühwein- und Biergeschwängertes Umfeld… Keine Ahnung…. eine gute Frage in diesen Tagen ist, wer hat überhaupt diese Tradition erfunden? Die Suche nach der Antwort führt uns wieder zurück nach Italien…
Die Krippe, mit dem Jesuskind zwischen Ochs und Esel im Stroh liegend, in einem Stall bei Betlehem, ist unser Bild von Weihnachten schlechthin (neben der Tanne mit den Geschenken natürlich). Ein christliches Weihnachten ohne Krippe ist nicht denkbar, das war aber nicht immer so. Wer hat sie erfunden? Woher kommt diese figürliche Darstellung? Aus Benedikts Abtei in Monte Cassino (um 529), aus dem Vatikan in Rom? Aus Neapel, wo die Krippenbaumeister zuhause sind?
Nein, diese so anschauliche Tradition verdanken wir Franz von Assisi. Gegründet hat er sie im Jahr 1223, aber nicht in seiner Geburtsstadt, sondern etwas südlich davon, in dem winzigen Ort Greccio in der Valle Santa bei Rieti, wo er als Ordensgründer gewirkt hat.
Dort hat auch 2023 die 800 Jahr Feier der ersten Weihnachtskrippe stattgefunden und natürlich war Papst Franziskus dabei.

Ein Teil der Requisiten dieser Feier ist noch unter dem Porticus des Papstpalastes von Rieti zu sehen (Bild oben. Für den Aufbau der kompletten Szenerie wird noch nach einem geeigneten Ort gesucht).
Aufgrund der politischen Spannungen hatten sich die Päpste aus Rom hierher zurückgezogen. Franziskus kam diese Nähe gelegen, denn hier hat ihm der Papst sowohl seine Ordensregel wie auch die Idee, die Geburt des Herrn realistisch darzustellen, genehmigt.
Für Franziskus war Weihnachten die wichtigste Feier, sind „wir doch gerettet, weil er uns geboren ist“. Auch die „Demut der Menschenwerdung“ Gottes wollte er zeigen und ließ entsprechende Vorbereitungen treffen. „Ich möchte die Erinnerungen an das Kind wachrufen, das in Betlehem geboren wurde, und so greifbar wie möglich mit eigenen Augen die schmerzlichen und ärmlichen Umstände sehen, worunter es zu leiden hatte. Ich möchte sehen, wie es in der Krippe auf Stroh zwischen Ochs und Esel lag“ (1 Celano 84-87). So geschah es und Franziskus ließ es sich nicht nehmen, selbst in diesem Schauspiel aufzutreten „con in braccio il bambinello„, mit dem Jesuskind im Arm. Die Menschen aus der Umgebung waren zur Feier mit Kerzen und Fackeln gekommen und bald war diese Nacht voller Freude und Gesang, so hell wie der Tag.

Kein Wunder, dass diese Idee, die Geburt Christi so zu feiern, sich schnell verbreitet hat, ist sie doch viel ansprechender und verbindender als das Leiden Christi und der Kreuzweg. Daraus folgte schon bald die Aufstellung kleiner Krippen in Kirchen, vermutlich steht die älteste aus dem Jahr 1291 in der päpstlichen Sixtinischen Kapelle in Rom.
Franziskus` Grundidee wurde später vielfältig weiter entwickelt. Die ehemalige Klosterkirche der Benediktiner in Tegernsee zeigt zum Beispiel an Pfingsten, wie Jesus 50 Tage nach Ostern, seinen Jüngern wie versprochen den Heiligen Geist schickt. Damit es die bayrischen Bauern verstehen, wird er als kleine Flamme sichtbar gemacht.



