Goa ist im Wesentlichen ein Strand, ca. 100 Kilometer lang, vergleichbar mit Thailands Phuket, hat aber auch viel portugiesisches Flair und Architektur zu bieten. Die neue Hauptstadt seit 1843 trägt den Namen Panaji oder Panjim (englisch) und auch indische Touristen lieben seine Weißen Kirchen und den portugiesischen Charme seiner Gässchen im Viertel Fontainhas.
Schön renovierte Kolonialbauten wie das Hotel Panjim Inn mit Veranda-Restaurant – kann ich empfehlen – sind für junge Inder beliebte Motive für Selfies. Doch wie kamen überhaupt diese Lusitaner mitten ins Herz des britischen Empire? Einfach: sie waren die ersten Europäer hier, um zu bleiben bis… 1961.


Im 15. Und 16. Jahrhundert waren die Portugiesen die führenden Seefahrer ihrer Zeit, auch wenn der Italiener Cristoforo Colombo (Genova) ihnen die Show gestohlen hat. Sie haben die Seeroute über den Kap der Guten Hoffnung eröffnet, mit Hilfe der Omanis den Sprung nach Indien geschafft. 1498 war Vasco da Gama das erste Mal in Calicut. 1513 landete der erste Portugiese in Südchina, ein neues Kapitel in der Geschichte Asiens war eröffnet.
Das kleine Reich Goa mit seinem vielfältigen Gewürzanbau wurde unter Frührung von Alfonso de Albuquerque ab 1510 erobert. Die Araber waren selbst mit dem Indienhandel reich geworden und haben lange Widerstand geleistet. Aber die Portugiesen hatten überlegene Kanonen und haben sich festgebissen. Da sie nicht so viel hatten zuhause, wollten sie auch nichts abgeben, als die Briten 1947 Indien in die Unabhängigkeit entlassen haben. Erst im Dezember 1961 ist die indische Armee in Goa einmarschiert und es ist wohl dem guten Einfluss der Kirche zu verdanken, dass die lokalen Statthalter Lissabons keinen Widerstand geleistet haben.


Heute ist Panjim eine ausgesprochen entspannte und ruhige indische Landeshauptstadt. Es ist alles auch zu Fuß zu erreichen und ordentlich genug. Natürlich gibt es Armut, aber sie schreit hier nicht. Von den 450 Jahren portugiesischer Geschichte ist im Alltag, bis auf die aktive Christengemeinde, nicht mehr viel zu spüren.


Man kann mit einer Fähre über den Fluss Mandovi übersetzen, die bis auf den letzten Zentimeter mit Motorrollern gefüllt wird, vorbei an schwimmenden Casinos, die sonst in Indien verboten sind. Leider fehlt hier eine Uferpromenade und auch nette Cafés sind Mangelware, dafür kann man überall Bier und ähnliches bekommen, was auch indische Besucher offensichtlich schätzen.


Eine schöne erste Begegnung mit Indien also, besonders wenn man zum Maruti Tempel geht, um den Affengott Hanuman (bekannt auch aus den Fresken von Angkor) zu ehren. Das vielleicht schönste ist aber den Markt, der im Februar auf dem Weg dorthin aufgebaut wird. Alle Farben Indiens und ein sehr freundliche Stimmung. Da sind plötzlich auch Frauen in Scharen zu sehen, fesch oder traditionell, bunt und fröhlich, selten verschleiert. Ein schönes indisches Shopping Erlebnis.

