Arezzo, la festa dei Carabinieri

Nein, die Carabinieri haben nichts speziell mit Arezzo zu tun. Aber die grandiose Kulisse der Piazza Grande macht schon etwas her für die Festa dei Carabinieri, die am 5. Juni 2025 ihr
211-jähriges Bestehen gefeiert haben. Zu der toskanischen Stadt selbst heute nur so viel, sie hat große Ähnlichkeiten mit Siena, ist aber die Stadt von Piero della Francesca und vor allem von Giorgio Vasari. Letzterer war Maler, Schriftsteller und Architekt und gilt als einer der Väter der Kunstgeschichte als Studienfach. Er ist übrigens auch der Schöpfer des Palazzo delle Logge (Bild oben im Hintergrund), 1572 von Cosimo di Medici in Auftrag gegeben. Ein hervorragender Ort, um einen der schönsten Plätze Italiens beim Apéro zu genießen.

Noch eine Ähnlichkeit mit Siena, hier gibt es statt dem Palio auch ein traditionelles Turnier, die Giostra del Saraceno im Juni und September. Nicht zufällig hat sich aber Roberto Benigni Arezzo ausgesucht, um seinen Film La Vita è bella (1997) zu drehen. Arezzo ist etwas weniger bürgerlich und fröhlicher als das etwas steife Siena.

Und die Carabinieri? Die waren schon ein paar Tage zuvor, am 2. Juni, in ihrer Paradeuniform mit glänzenden Säbeln auf der Piazza in Rieti zu bewundern, am Feiertag der Festa della Repubblica, der Gründung des modernen Italiens 1946. Ich bin ja kein Fan dieser Uniformen, aber man kann beobachten, dass viele Frauen von den feschen Jungs begeistert sind… Mich hat dagegen schon immer die stilvolle „Kriegsbemalung“ der Alfa Romeos und BMW-Motorrädern der Carabinieri beeindruckt.

Etwas ernsthafter: die Zeremonie war doch positiv beeindruckend. Die Italiener scheuen ja nicht die großen Worte, Eroismo (Heldentum), war auch dabei. Aber in den schönen Reden waren viele klare Ansagen: die Werte der Republik, die Verteidigung der Gemeinschaft, die Dankbarkeit für die tägliche Leistung der vor über 200 Jahre gegründeten arma dei carabinieri. „Si, so può anche parlare di orgoglio“ (Stolz), bestätigt mein Salami Verkäufer, dessen Vater auch bei dem Fest dabei gewesen wäre, wenn er noch lebte.
Auch Orden werden verliehen. Die Leistungen der Einzelnen werden beschrieben, das ist sicher auch motivierend. Und oft geht die Ehrung auch an eine „Dottoressa“, Kriminalität wird heute auch von Frauen, die studiert haben, bekämpft. Dazu musiziert sehr schön das Orchester des Liceo Giorgio Vasari und Grundschulkinder wedeln mit der italienischen Fahne. Positiv beeindruckend, weil hier ein schöner Gemeinschaftssinn zum Ausdruck kommt und auch das Wort „gratitudine“ (Dankbarkeit) fällt oft. Insbesondere in der sehr netten Rede (mit Gebet) des Bischofs. Anerkennung und Dankbarkeit für ihre harte Arbeit und für ihre Risikobereitschaft, das hat diese Truppe sicher verdient. Habt Ihr auch so etwas in Deutschland?