Die Helden des Kolosseums, todesmutige Stars des alten Roms: hier hat die Archäologische Staatssammlung München ein starkes Zugpferd. Die neue Sonderausstellung Gladiatoren (bis Mai 2026) ist umfassend, informativ und multimedial packend inszeniert. So werden trockene Ausgrabungsfunde lebendig!


Hier geht es um mehr als nur um Waffen, Muskelpakete und blutige Kämpfe, auch wenn der Kämpfer im Amphitheater als erstes die Blicke auf sich zieht. Die bekannten Gladiatoren-Typen mit ihrer typischen Ausrüstung, wie der flinke Retiarius, ausgestattet mit Netz und Dreizack, werden lebendig dargestellt. Neben den originalen, wunderbar verzierten Helmen oder Beinschutz aus Pompeji, treten die Kämpfer auch als Rekonstruktionen und in Videodarstellungen mit ihrer Kampftechnik auf. Nicht so spektakulär wie in den beiden Gladiator Spielfilmen von Ridley Scott, dafür historisch korrekt.
Wer einen Helm-Nachbau in die Hand nimmt, spürt, wie schwer bepackt sie im Circus antreten mussten (Foto ganz unten).

Im Hintergrund sieht man auch Cäsar, der im Jahr 49 v. Chr. eine Gladiatorenschule in Capua gegründet hat. Bewundernswert auch das Kolosseum in Rom, eine auch nach heutigen Maßstäben gigantische (Bau)Ingenieursleistung – deutlich schneller gebaut als der Berliner Flughafen oder Stuttgart 21, obwohl bis zu 5 Tonnen schwere Steinblöcke angekarrt werden mussten. Man erfährt, dass er mit der Beute aus dem Tempel in Jerusalem finanziert wurde, nachdem die römischen Besatzer das zentrale Heiligtum der aufständischen Juden zerstört und sie damit in die Diaspora getrieben hatten.


Die tödlichen Kampfspiele verbreiten sich mit der Expansion des Imperiums bis nach Germanien und England. Berühmte Amphitheater stehen in Pula (Kroatien), Nîmes, Trier und Xanten. Die Ausstellung zeigt aber auch das Model einer frühen Holzarena am Limes, in Künzing (Niederbayern). Exponate aus der Archäologischen Sammlung, wie ein Dolch aus dem Landkreis Schongau oder Gewandspangen in der Form von Kämpfern, zeugen von der Begeisterung für die Spiele auch auf germanischem Boden.
Doch waren diese Gladius Träger wirklich die Stars ihrer Zeit? Die Texte der Ausstellung geben auf diese Frage differenzierte Antworten. Zunächst waren sie die Erfindung einer hoch militarisierten Gesellschaft, die im Mut und in der kriegerischen Leistung die höchsten Tugenden sah. Cäsar selbst war in erster Linie ein Feldherr, der (fast) ganz Gallien erobert hat (Asterix läßt grüßen).
Die besten Gladiatoren konnten berühmt werden. Sie hatten damals schon Trainer, Physiotherapeuten und Ernährungswissenschaftler wie die heutigen Spitzensportler. Sogar skandalöse Liebschaften mit den edelsten Damen der Gesellschaft waren möglich. Um an diesem Ruhm teilzuhaben, sind sogar die Kaiser Caligula und Commodus selbst in die Arena gestiegen -allerdings ohne selbst Risiken einzugehen.
Doch zugleich standen die Gladiatoren am untersten Rand der Gesellschaft. Sie waren Sklaven und zum Kampf verurteilte Kriminelle. Diese Helden hatten kaum Chancen, alt zu werden. Daran erinnert die Grabstele eines 22-jährigen secutors der 13 Kämpfe bestand, dann aber seine Frau und seine 5 Monate alte Tochter hinterließ.


Die multimediale Darstellung macht vieles verständlich und greifbar. Die wundbaren Mosaiken der Jäger, die wilde Tiere aus dem fernen Afrika in die Arenen lieferten (oben rechts), kennen die Legionen meiner Follower freilich schon aus Piazza Armerina, Sizilien ( https://karls-mosaik.de/bikini-mosaik/ ).
Das große Epos des von Spartacus angeführten Gladiatoren-Aufstands (73. v. Chr.) kommt leider zu kurz. Es gibt auch kein Begleitheft zur Ausstellung, dafür wird Asterix als Gladiator im Shop angeboten (Basiswissen) und das gute Magazin von Geschichte zum Thema Gladiatoren. Die Gesamtkonzeption der Ausstellung kommt aus dem Ursprungsland der Spiele, sie wurde entwickelt vom Team von Contemporanea Progetti, Firenze, um die ehemalige Direktorin des Colosseo, Rossella Rea und begeistert völlig zu Recht auch München. So wird Archäologie lebendig!
Sonderausstellung Gladiatoren. Helden des Kolosseums“. Archäologische Staatssammlung in München. 21.11. 25 bis 3. Mai 2026.
Im interessanten Begleitprogramm: der Kinofilm Spartacus (1960) von Stanley Kubrick im Neuen Maxim Kino am 18.12.


