Dieses Haus ist faszinierend, eine der bedeutendsten Künstlerresidenzen Europas. Ein eigenwilliges Gesamtkunstwerk, erschaffen vom Malerfürsten Franz von Stuck, von der Architektur bis zur Innenausstattung, inklusive Fresken und teilweise sogar Möbeln. Nach zwei Jahren technischer Renovierung ist die Villa nun wieder eröffnet. Ich zeige hier ein paar Highlights, falls es Münchner wie mich gibt, denen dieses Juwel bisher durch die Lappen gegangen war.


Noch vor dem Eingang lohnt es, die Reitende Amazone rechts unter dem dorischen Säulenportikus genauer anzuschauen. Sie ist auch ein großartiges Werk des „Malerfürsten“ (1913) und zeigt eine spektakuläre Dynamik, wie sie im gestreckten Galopp die Lanze schleudert. Damals war es nicht leicht, ein weibliches Model mit Sixpack zu finden… Ein erster Beleg für die Vielseitigkeit des Künstlers und für die führende Position Münchens im Bronzeguß.



Der erste Raum, das Vestibül, ist noch hell und relativ schlicht gestaltet, geprägt an den Decken und Wänden von antikisierenden Mustern und am Boden von Franzls-Mosaik in schwarz-weiss. An den Wänden Nachbildungen berühmter antiker Skulpturen – die Venus von Medici und der jugendliche Held Idolino, sie stehen in aller Bescheidenheit für die Dame und für den Herrn des Hauses. Dieser hat allerdings den großen Vorbildern der Vergangenheit noch seinen eigenen flötenspielenden Pan hinzugefügt.

Gold, Marmor in vielen Farben, Ebenholz… die Opulenz der Materialien und die Einzigartigkeit der Stilmischung entfalten sich im schimmernden Empfangssalon und im leuchtenden Musikzimmer. Als einer der ersten in München, setzt der Maler hier elektrisches Licht aus Kohlefaserlampen ein. Jedes Detail hat Franz von Stuck selbst geplant und glücklicherweise haben die wesentlichen Räume den Bombenhagel 1944 überlebt. Diese etwas wilde Komposition der Stile spiegelt die Vielseitigkeit seiner Künstlerseele im Aufbruch zur Moderne.
In der Nische rechts unten neben dem Kamin erkennt man den Kopf der Athena mit verziertem Helm und Locken (Original in der Glyptothek), die hat er einfach auf seine Reitende Amazone gesetzt.
Die Möbelgruppe, mit feuervergoldeten etruskischen Löwenköpfen und eleganten Intarsien, hat Stuck selbst entworfen. Dafür ist er auf der Weltausstellung in Paris 1900 mit einer Goldmedaille geehrt worden. Im Märchenhaft anmutenden Musiksalon trat seine Frau Mary bei gesellschaftlichen Anlässen selbst als Sängerin auf.

Was ist das für ein 34-jähriger, der sich so einen prachtvollen Palast gestaltet, um standesgemäß die Crème de la Crème der Prinzregentenzeit zu empfangen? Ist dieser Ritter von Stuck selbst in einem fürstlichen Palais aufgewachsen? Würde man vermuten, aber nein. Franz Stuck ist ein Bauernbub, ein Hinterwäldler quasi. Genauer, der Sohn eines einfachen Müllers aus Tettenweis in Niederbayern. Was für ein Aufstieg! Zu seinen Hauptwerken gehört ohne Zweifel die grandiose Inszenierung des eigenen Lebens.
Nach München kommt er 1878, um zunächst die Kunstgewerbeschule zu besuchen, später die Akademie der bildenden Künste. Der persönliche Adelstitel wird ihm 1905 verliehen, als er schon selbst Professor an der Akademie ist, verheiratet mir Mary, geboren Hoose, aus Brooklyn (N. Y), Witwe des Münchner Arztes Julius Lindpainter. Aber den Titel „Künstlerfürst“, den hat er sich, wie Franz von Lenbach, selbst erarbeitet.

Im Gegensatz zum konservativen Lenbach ist er ein Erneuerer. Das zeigt schon 1885 sein „Wächter des Paradieses„, der ihm auf der Internationalen Kunstaustellung im Münchner Glaspalast die Goldmedaille 2. Klasse und vor allem 60.000 Goldmark von einem belgischen Sammler einbringt. Er stellt sich klar gegen Lenbachs Akademismus und wird 1892 Mitbegründer der Münchner Sezession. Deshalb gilt er als prominenter Vertreter des Jugendstils, wobei er im Grunde mehr dem Symbolismus zuzurechnen ist. Das geheimnisvolle, oft erotisch aufgeladene, trägt zu seinem Erfolg bei. Sein Künstleraltar, mit seiner berühmten Sünde als Hauptbild (im alten Atelier im 1. Stock) rüttelt seine Zeitgenossen auf.

Weiter geht es vom Wohnhaus ins sehr großzügige Ateliergebäude, das erst 1914/1915 angebaut wurde. Es bietet auf zwei Ebenen wunderbare Flächen für die spannenden Wechselausstellungen der Villa Stuck. Aktuell die pulsierende und fröhlich provokante Show des Kollektivs Chicks on Speed (bis 1. März 2026). Ein aufregender Kontrast zu den historischen Sälen. Keine Frage, die Villa Stuck ist ein Münchner Muss!
www.villastuck.de – mit vielseitigem Programm und Wechselausstellungen.


