Assisi ist (zu) schön!

Keine Frage, Assisi ist ein Muss, wie Pisa zum Beispiel. Allein schon die Basilica der Santa Chiara (ab 1257 gebaut) begeistert mit ihrer schlichten Eleganz, aufgelockert durch die horizontalen rosa Steinbänder, hervorgehoben durch den Blick über die sanften Hügel Umbriens. Bei unserem ersten Besuch hätte sich unsere Tochter Clara Valérie noch mehr für das Leben dieser beeindruckenden Frau begeistert, wenn da nicht überall die Zeitungen mit dem Tod von Diana in Paris gewesen wären und das leckerste Eis Welt auch noch! Da kann der Papa lang erzählen, was für ein tolle Frau die Clara ist….

Im Mittelpunkt steht natürlich Franziskus, der mit der Basilica di San Francesco sogar über eine doppelte Kirche verfügt (1228-1230), Ober- und Unterkirche und noch die Krypta darunter mit seinen Gebeinen). Ein erhabener Bau, doch das besondere sind die Freskenzyklen, farbenfroh, menschlich, in einem neuen Stil, besonders von Giotto und Cimabue. Anschaulich und bis heute mitreißend. Wobei Rita in Rieti etwas schnippisch bemerkte, dass Franziskus nicht in Assisi gewirkt hat, sondern viel mehr in der Valle Santa bei Rieti und dass er nur den Vögeln gepredigt hat, weil in Assisi keiner auf ihn hören wollte… Trotzdem kommen Freunde Franziskus nicht an Assisi vorbei. Dazu ist es ein wunderbar romantisches Städtchen, inklusive Minerva Tempel auf dem Hauptplatz.

Assisi schafft es perfekt, seine Altstadt von Autos freizuhalten. Fröhlich strömen die Touristengruppen, gerne in 40er Bus Größe, der Rennstrecke entlang, dazwischen ab und zu glückliche und stolze Pilger mit Rucksack. Ja, dieses Assisi ist perfekt. Die Fassaden durchgängig im regionalen Naturstein, Blumentöpfe vor den Geschäften und sogar an den Fenstern! Sogar die Pflastersteine wirken wie frisch poliert. Es ist einfach zu schön.

Zu schön, weil da etwas fehlt. Da hängt keine Wäsche von den Fenstern, sitzen keine Rentner vor ihrem Haus, kicken keine Kinder auf dem Platz vor San Rufino (die auch den Umweg bergauf lohnt). Es gibt kein einziges normales Geschäft, nur Touristenläden. Kurz: es fehlt das italienische Leben. „Nein, ich wohne mit meiner Familie unten, hier in der Altstadt ist alles zu kompliziert. Sie schreiben dir alles vor, was du darfst und vor allem nicht darfst“ bestätigt mir ein Angestellter, der zwei Kinder hat. Das Ganze wirkt museal. Deshalb, nein, es gibt so unglaublich viele sehenswerte Städtchen hier in Umbrien, Toskana, Lazio, dass Assisi letztlich nur für echte Franziskus Fans ein Muss ist.