Spoleto: Angeli e modellini

Spoleto, letzte Etappe vor Assisi, ist noch so eine wunderbare Stadt Mittelitaliens, mit einer Burg, einem Dom, palazzi e tutti quanti… Also auch wieder ein „Muss“, aber wie viele gibt es davon, zwischen Rom im Süden und Florenz und Arezzo im Norden, bevor es in die Po-Ebene hinab geht? Rieti, Viterbo, Todi, Narni, Assisi, Orvieto, Montepulciano, Volterra, Lucca… Es sind so viele, die schöne Berichte verdienen. So auch die römische Burgstadt und Sitz der Langobarden, Spoleto. Absolut sehenswert! Da die Zeit aber knapp ist, heute nur zwei Details.

Die Angeli mit dem Schalk im Nacken und die kokette Maria verdanken wir Fra‘ (Bruder) Lippi. Sie sind Teil der großen Chorfresken (erstellt 1467-69) über das Leben der Maria im Dom Santa Maria Assunta di Spoleto. Filippo Lippi zählt zu den großen Malern der Renaissance und man sieht seinem Stil an, dass er das Leben (und die Frauen) liebte. So sehr, dass er nicht nur selbst das Mönchsdasein aufgegeben, sondern auch noch seine Frau aus dem Kloster entführt hat!


Der Dom selbst ist älter, er wurde ab 1175 erbaut, nachdem unser Friedrich die Vorgängerkirche zerstört hatte (diesmal nicht Friedrich II, sondern Barbarossa, der leider später auf dem Kreuzzug in der heutigen Türkei an einem Herzschlag gestorben ist….). Dieser neue Dom ist allein die Reise Wert, faszinierend, wie viel Schönheit hier zu Hause ist.

Die modellini empfinde ich als sehr italienisch. In jeder Stadt sind sie irgendwo im Verkauf zu finden, meist Ferraris oder Motorräder. Aber dieses Geschäft, neben der Piazza del Mercato, ist so besonders, dass ich die Citroën DS gekauft habe, ich der ich erst aufgewachsen bin und dann als Student noch lange fahren durfte. Aber warum wird auch die potthässliche Citroën Dyane hier angeboten? „Ma è una delle più richieste“ (meist gefragt). Ich glaube es nicht, diese Dyane und die Ami 6 habe ich schon als Kind aufgrund ihre Hässlichkeit nicht leiden können. „Aber inzwischen sind sie wieder gefragt, wie die Simca, über die man früher eher gelacht hat“, erzählt Francesco Conti del Conte. War er schon immer Autoverkäufer? „No, ero decoratore, ho comminciato con mio padre„. 40 Jahre lang hat er mit dem Vater, später mit Angestellten, in Spoleto Palazzi renoviert, auch weil sie immer irgendwo undicht waren. Aber irgendwann reichts.
(Übrigens, in Spoleto sind aktuell fast mehr Baustellen als in l’Aquila. Das sind die Nachwehen des Erdbebens von 2016. Italien hat es nicht leicht!).

Warum modellini? „è mia passione, già da bambino„. Es ist ja auch faszierend, die Vielfalt der Modelle, Marken und Accessoires. Die Marke Norev kennt in Frankreich jedes Kind, aber Francesco erwähnt, dass es der umgedrehte Gründername ist: Véron. Es gibt natürlich auch spanische und britische Marken neben italienischen. Die italienische Burago wurde nach der Pleite komplett von China übernommen. Art Model dagegen produziert sogar noch in Italien, doch der Preis gibt zu denken (70 € für ein kleines Modell). Francesco Conti del Conte ist jedenfalls zufrieden. Er macht das jetzt seit acht Jahren, mag den Austausch mit den Gästen aus aller Welt, und überhaupt „è un mondo senza fine“ : jede Woche kommen wieder Neuigkeiten heraus. Die kindliche Begeisterung darf im Beruf weiterleben!