Weg von der Küste, über Tursi nach Pisticci, da ist man schon richtig angekommen in der echten Basilicata. Die Region, eingeklemmt zwischen Kalabrien und Apulien, galt lange als kleinste und rückständigste Provinz Italiens. Viel dazu beigetragen hat der Schriftsteller Carlo Levi, der von Mussolini hierher verbannt wurde und im Buch „Cristo si è fermato a Eboli“ über die damaligen Verhältnisse eindrucksvoll berichtet hat.
Zum Glück haben sich die Zeiten geändert. Von der Piazza tönen fröhlich die Gespräche der abendlichen passegiata. Pisticci sollte man sich nicht entgehen lassen. Der Ort überstrahlt mit seinen weiss gekalkten Häusern die Calanchi (eine Erosionslandschaft, von der noch die Rede sein wird). Die Radfahrer kennen das ja in Italien: 300 Höhenmeter Aufstieg zum Städtchen und das über einen ewigen Tunnel sind ja kein Problem wenn man schon 60 Kilometer in den Beinen hat…
Weit weg von der fruchtbaren ionischen Küste, aber eine nette Dame erzählt mir, dass der Ortsname von dem griechischen Pistoikos, luogo fedele (treuer Ort) kommt. Denn an der Küste lagen die Städte der Magna Grecia, wie Kroton, Sybaris, und vor allem das große Metapont (30 Kilometer von hier), das sich auf den Schutz vor Angreifern aus dem Norden verlassen konnte.

Mein Reihenhaus… seit 1688! Eine Besonderheit Pisticcis – auch wenn es nicht im Reiseführer steht – ist der Rione Dirupo, ein Neubauviertel vom Reißbrett, mit einfachen aber praktischen Reihenhäusern. Die Neusiedlung ist entstanden nachdem ein Erdrutsch einen Teil der Stadt weggerissen hat, es soll mindestens 200 Tote gegeben haben. Den Überlebenden wurde von den Landesherren neues Land im Tal angeboten, sie wollten aber lieber bei ihrer Piazza und ihrem Campanile bleiben, so ist dieses Viertel entstanden. Und es funktioniert immer noch, seit über 300 Jahren! Das nennt man nachhaltige mediterrane Stadtentwicklung!

