San Vito lo Capo

Der erste Höhepunkt vor den Toren Trapanis ist das mittelalterliche Bergdorf Erice. In der Antike pilgerten die Seefahrer auf den heiligen Berg, um Venus zu opfern – und sich mit den Tempelpriesterinnen zu vereinen. Das wurde leider verboten und der Ort geriet in Vergessenheit bis die normannischen Herrscher hier anstelle des Venustempels ein mächtiges Kastell errichteten. Das beste an diesem mittelalterlichen Dorf ist aber der prachtvolle Ausblick, zu den Ägadischen Inseln und sogar bis zum Etna – allerdings nicht, wenn der Adlerhorst wie so oft in eiskalte Wolken gehüllt ist…

In diesem Fall bleibt nur die Genugtuung, die 750 Höhenmeter vom Strand von Trapani hier herauf mit Gepäck geschafft zu haben, ein erster geographischer Höhepunkt also. Härtetest bestanden. Zur Belohnung noch ein schönes Panino Cunzato, die regionale Spezialität mit Acciughe (Sardellen), Pecorino und Pomodoro. Das warme Panino, schön knusprig, ist eben auch ein Grund, gerne in Italien Rad zu fahren….

Aus den Wolken wieder heraus gefahren, zeigt sich das Grüne Sizilien (im September das sonnenverbrannte Sizilien) von seiner besten Seite. Überall blüht es rot, gelb und violett, die Olivenbäume leuchten in der Sonne. Schon bald tauchen steile Klippen und blau-weisse Buchten auf. Die Spitze des Kaps und ein besonders charmanter Urlaubsort kündigen sich an: San Vito lo Capo. Dörfliche Idylle empfängt den Reisenden – bis zur Überraschung im Zentrum.

Dieses Gebäude ist eine Wucht! Mächtig, streng, und trotzdem ansprechend. Eine Wehrburg? Ja, und zugleich ein ganz altes Santuario (Heiligtum). Schon zur Zeit des Kaisers Konstantin soll hier der Heilige Vito (Veit) verehrt worden sein. Auch der Hofgeograf des Normannenkönigs Roger II bestätigt, dass hier im 12. Jahrhundert eine wichtige Kirche war. Doch erst im 15. Jahrhundert wurde eine Fortezza um das Heiligtum gebaut, um die Pilger vor den Angriffen der Sarazenen zu schützen. Erst Anfang des 19. Jahrhunderts hat sich um das Pilgerzentrum ein Dorf entwickelt.

Heute ist San Vito ein Traum von Badeort. Keine Bettenburg, nur ruhige Straßen, gesäumt von einstöckigen kastigen Häusern, die leicht nordafrikanisch wirken. Die meisten sind weißgetüncht, alles ist familiär entspannt. Die Auswahl an Unterkünften und Restaurants aller Art scheint unendlich und die verschiedenen Sandstrände bieten auch viel Abwechslung. Ein Ort zum verweilen, doch die Räder müssen rollen.